Sexismus bei YouTube – Modernes Medium, alte Ansichten?

Musikerin, Produzentin und YouTuberin Marie Meimberg

„Ich bin nicht bereit, diesen Ort jenen zu überlassen, die ihn nur als Geldmaschine und geistige Müllhalde sehen.“

Marie Meimberg, Musikerin, Produzentin und selbst YouTuberin hat im Juli 2016 einen Artikel veröffentlicht, in dem sie der deutschen YouTube-Szene vorwürft, sexistischer zu sein „als jede Mario-Barth-Show“. Viele YouTuber würden dem überwiegend jungen Publikum „Geschlechterbilder aus dem vorletzten Jahrhundert“ vorleben und ein Protest dagegen bleibe aus. Meimberg ist allerdings auch der Meinung, dass YouTube keine Welt für sich ist, sondern, dass die Gesellschaft Geschlechterstereotype und Sexismus vorlebt.

In den letzten Jahren, in denen Sexismus zumindest in Deutschland kein heißes Thema war, gab es die Wahrnehmung, dass das Problem nicht mehr existiert, sagt Meimberg.

„Das haben wir ausdiskutiert und ausgekämpft und sind einen großen Schritt weiter.“ Was man bei YouTube jetzt sehe, betont Marie Meimberg, sei aber kein Rückschritt in der Entwicklung oder typisch für die Plattform und junge Leute, sondern jetzt sehe man, dass man den Weg noch vor sich habe und nicht hinter sich. „Da wird etwas sichtbar, was tief in uns verankert ist.“

Für Marie Meimberg ist klar, was man gegen Sexismus – aber auch Rassismus – auf YouTube und anderen Plattformen tun muss: dahin gehen, „wo der Content ist“, und Gegenangebote machen. Ein erhobener Zeigefinger würde nicht helfen. Nach dem Motto „gemeinsam sind wir stark“ müsse man Leute, die sexistische Videos produzieren, darauf in den Kommentaren ansprechen und sich mit Gleichgesinnten verbünden.

Viele YouTuber, meint Marie Meimberg, seien sich ihres sexistischen oder unterschwellig sexistischen Verhaltens nicht bewusst. Das habe sie auch gemerkt, als sie den Artikel veröffentlicht habe. Ihr ist damals eher Unverständnis oder Wut entgegengeschlagen. Zunächst einmal sei hier ein Rückschritt gefragt – nämlich zu lernen, wie man mit Kritik umgeht, denn die würde im Netz nicht so gerne gesehen.

Marie Meimberg ist wichtig, dass man die Welt „da draußen“ und die Internetwelt nicht trennt. Dementsprechend gilt für sie auch bei YouTube, Facebook und Co.: Man trägt hier ebenso eine Verantwortung und sollte sich immer mit den Betroffenen solidarisieren.

 

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