Helfer des Kremls

Think Tanks, Blogs und Gongos

Scheinbar unabhängige Think Tanks und Blogs verbreiten über Soziale Medien prorussische Botschaften. Experten nennen sie „Government Organized Non Government Organizations“ (GONGOS), also in Wirklichkeit von einer Regierung gesteuerte Nicht-Regierungs-Organisationen.

Jakub Janda sitzt in seinem schmalen Büro im Prager Stadtteil Zizkov. Sein European Values Think Tank ist ein kleines Institut mit nur wenigen Mitarbeiterinnen, die eine große Aufgabe lösen sollen. Janda und Aktivsten in mehreren europäischen Ländern analysieren russische Propaganda im Fernsehen, Radio und Internet. Sie melden ihre Entdeckungen der Beobachtungsstelle, die die Europäische Kommission vor wenigen Monaten in Brüssel eingerichtet hat. Die East Stratcom Task Force sitzt streng abgeschirmt im Gebäude der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini und gibt jeden Monat die „Disinformation Review“ heraus, eine Übersicht über die Versuche prorussischer Blogs und Medien, falsche Nachrichten in die Welt zu senden.

Janda nennt die Blogs, die sich als unabhängige Internetmedien ausgeben, GONGOS. In Wahrheit, sagt Janda, würden solche Blogs vom Kreml oder Kreml-nahen Organisationen gesteuert.

„Eurodenik“ – Negativschlagzeilen über den Westen

Janda wertet vor allem Tschechisch-sprachige Nachrichtenblogs wie „Eurodenik“ aus. „Eurodenik“ sieht wie ein gewöhnliches Internetmagazin aus, das Meldungen westlicher Medien wiedergibt. Doch die Beispiele sind geschickt ausgewählt und werden so verkürzt dargestellt, dass der Eindruck negativer Schlagzeilen über den Westen entsteht. So zitiert „Eurodenik“ die britische Boulevardzeitung „Daily Mail“ mit dem Satz: „Flüchtlinge haben die größte Welle von Gewalt seit der Nazi-Zeit entfacht“.

 

eurdenik.cz

Tschechische Internetseite „Eurodenik“

„Eurodenik“ erweckt so den Eindruck, dass die Flüchtlinge selbst gewalttätig sind. Dabei handelt der Artikel der „Daily Mail“ vom November 2015 vor allem von der Gewalt gegen Flüchtlinge, Asylbewerberheime und dem Hass gegen Journalisten auf den Demonstrationen von Pegida. „Eurodenik“ verdreht den ursprünglichen Artikel in sein glattes Gegenteil.

Im Internet gibt „Eurodenik“ als Firmensitz eine Adresse im Prager Stadtteil Dejvice an. Doch unter der angegebenen Adresse, der Velflikova 1428, gibt es keine Klingel und kein Firmenschild an der Fassade. Niemand geht bei „Eurodenik“ ans Telefon. Nur auf einem Büroplan im Foyer des Bürohauses gibt es ein kleines Schild. „Eurodenik“ nutzt hier offenbar einen einzigen Raum. Aus dem Prager Handelsregister geht hervor, dass der Blog „Eurodenik“ von der Firma Eko Velari betrieben wird, hinter der wiederum die Financial Media Group der Russen Valerij Khegay und Oleg Chalkin steht.

„Protiprout“ – Politiker in Naziuniformen

Besonders schrill sind die Beispiele, die Janda auf den Seiten des antiwestlichen Portal „Protiprout“ gefunden hat. Die Seite wird von Petr Hajek in der Tschechischen Republik herausgegeben und karikiert westeuropäische Politiker häufig in Naziuniformen.

schulz-juncker-merkel

Karikatur auf der Internetseite des tschechischen Portals „Protiprout“

„Ich würde sie nützliche Idioten nennen“, sagt Jakub Janda. „Manchmal wissen sie nicht einmal, dass sie dem russischen Geheimdienst in die Hände spielen. Diese GONGOS schreiben kleine Geschichten, die in die russische Sichtweise passen und dann von größeren Medien wie dem Ersten Russischen Fernsehen aufgegriffen werden“, berichtet Janda. „Im russischen Fernsehen wird dann so getan, als entspräche ihre Darstellung dem Mainstream in Deutschland oder anderen Ländern.“

Wie einfach es ist, Lügen in die Welt zu setzen, belegen Janda und seine Mitstreiter allmonatlich in der „Disinformation Review“. So postete eine vermutlich von Moskau gesteuerte Gruppe im russischen Sozialen Netzwerk VKontakte (VK) Fotos, die die ukrainische Stadt Lviv im Hakenkreuzschmuck zeigen. Doch der vermeintliche Beleg für Faschismus in der Ukraine war ein Foto von Dreharbeiten eines Films über die NS-Zeit.

lviv01

Foto von Dreharbeiten in der ukrainischen Stadt Lviv.

Darauf fallen selbst Politprofis rein. Diether Dehm, Bundestagsabgeordneter der Linken, postete die Bilder, ohne ihre Herkunft zu hinterfragen – und sah sie als Beleg für Faschismus in der Ukraine an. So verbreiten sich Falschmeldungen im Internet, ganz im Sinne Russlands, das die Ukraine seit der Maidan-Revolution als faschistischen Staat darzustellen versucht.

lviv02

Tweet des Linken-Politikers Dieter Dehm