In den Fängen der Abzocker

Wie Anleger um Milliarden gebracht werden

In den Fängen der Abzocker – eine Spurensuche

Unsere Geschichte beginnt mit einem großen Briefumschlag ohne Absender von einem Informanten, der unerkannt bleiben will. Die Behörde für die er arbeitet wolle nicht, dass er den Fall weiterverfolgt, schreibt er uns. Deshalb schicke er seine Informationen an uns.

Es ist eine Geschichte über Abzocker und Opfer, über gewiefte Geschäftsleute und überforderte Behörden. Und vor allem: Eine Geschichte über ein riesiges Netzwerk, in dem viele Milliarden Anlegergelder jährlich verschwinden. Der Briefumschlag enthält Unterlagen von hunderten Firmen, Scheinfirmen und Briefkastenadressen. Das Netzwerk ist weit verzweigt, verschachtelt und undurchsichtig, immer wieder fallen neue Verbindungen auf. Eine aufwendige Recherchearbeit von vielen Wochen beginnt.

Ein Fall sticht besonders heraus. Es geht um die SAM AG. Hierbei zeigt sich die Masche der Abzocker, wie ein geschickt angelegtes Netzwerk viele tausend Menschen um ihre Ersparnisse bringen konnte. Es geht um viele Millionen Euro, die von Kleinanlegern mit Versprechen auf große Gewinne eingesammelt wurden. Nach acht Jahren zwielichtiger Geschäfte mit dem Geld anderer wurden einige Mitglieder der Geschäftsleitung der SAM AG Anfang Februar 2017 verhaftet. Die Staatsanwaltschaft München hatte sechs Jahre lang wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrugs ermittelt.

Kapitel 1: Das Geschäft

Das Geschäftsmodell setzt auf die Unwissenheit und Renditehoffnungen von Kleinanlegern: Die Anlageberater nutzen aus, dass niedrige Zinsen klassische, solide Vermögensanlagen wenig rentabel machen. Sie werben mit zweistelligen Renditen bei Investitionen in hochmoderne Projekte, zum Beispiel in Geothermie. Was die Anleger dafür tun müssten, sei überschaubar: Ihre Versicherungswerte und Vermögensanlagen abtreten, um das Geld daraus in verschiedene Fonds zu investieren.

Am 5. Februar 2009 wird die Firma Swiss Asset Management (SAM) Finanz AG gegründet und kurz darauf in die SAM Management Group AG mit Sitz in Hergiswil in der Schweiz umfirmiert. Der Geschäftszweck ist mit Finanztreuhand, Unternehmensberatung und Immobiliengeschäften umschrieben. Herr O ist in der ganzen Zeit Mitglied der Geschäftsführung. Weitere Verantwortliche sind die Herren H., F. und S..

Der graue Kapitalmarkt bezeichnet Geldanlagegeschäfte …

… für die keine Erlaubnis benötigt wird

Kapitalmarkt bedeutet zunächst, es geht um Geldgeschäfte. Dazu gehören der Renten- und der Versicherungsmarkt, der Aktienmarkt und der Markt für Beteiligungskapital. Der Weiße Kapitalmarkt bezeichnet die Institute, Dienstleister und Versicherungsunternehmen, die für ihre Tätigkeiten über eine Erlaubnis nach den jeweiligen Aufsichtsgesetzen verfügen. Im Gegensatz dazu der Schwarze Kapitalmarkt: Wer hier tätig ist, betreibt Geschäfte ohne die Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die er jedoch benötigen würde.

Der Graue Kapitalmarkt umfasst dagegen Marktteilnehmer und Angebote, die nicht wie Banken und Finanzdienstleistungsinstitute ihrer Aufsicht unterliegen. Das Kleinanlegerschutzgesetz von 2015 sieht zwar eine erweiterte Prospektpflicht vor, das heißt jedoch lediglich mehr Transparenz, das Risiko der Vermögensanlage trägt der Anleger allein. Das Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes führte 2012 zudem ein Beschwerderegister ein, in dem unseriöse Anbieter gemeldet werden können.

… die sich am Rande der Legalität bewegen

Es gibt zahlreiche Gründe, warum Unternehmen Kapitalgeschäfte über den Grauen Kapitalmarkt abwickeln, und nicht alle sind schlecht. Innovative Start-up-Unternehmen erwerben dort ihr Gründungskapital und auch das Kapital für die Energiewende wird teilweise ebenfalls auf dem Grauen Kapitalmarkt eingeworben. Kleine und mittlere Anbieter wollen oft lediglich die Kosten vermeiden, die mit der Beaufsichtigung verbunden sind, schreibt die BaFin. Häufig gebe es aber missbräuchliche Geschäftsmodelle. Diese zielen meist auf unerfahrene Kleinanleger und überreden sie ihr Kapital aus Lebensversicherungen – also Unternehmen des Weißen Kapitalmarkts – abzuziehen und in ihre häufig riskanten Anlagemodelle zu investieren.

… und ein hohes Risiko bergen

Unsicherheit und ein hohes Risiko prägen den Grauen Kapitelmarkt. Die BaFin warnt auf ihrer Website, je höher die Renditeerwartung gegenüber banktypischen Kapitalanlagen sei, desto größer sei auch das damit verbundene Risiko. Die Werbung verharmlose Risiken häufig, zeigt eine 2016 veröffentlichte Untersuchung des Projekts Marktwächter. Die Ergebnisse zeigen, dass in 80 von 91 Fällen die Anzeigen nicht den aufgestellten Anforderungen für eine transparente Werbung entsprechen. Auf einer solchen Basis sei es für Anleger schwierig, eine gut informierte Anlageentscheidung zu treffen. Fast jeder zweite Anbieter der untersuchten Werbung weise nicht auf hohe Verlustmöglichkeiten hin.

Für den Vertrieb der riskanten Anlageprodukte gründet die SAM AG Tochtergesellschaften in Regensburg, Göppingen und München. Diese ziehen  mehrmals um, werden umbenannt und tauchen unter neuem Namen wieder auf. Die Staatsanwaltschaft München beginnt 2011 mit den Ermittlungen, nachdem ein Vertriebsmitarbeiter Anzeige erstattet hat. Er hatte bemerkt, dass Gelder nicht ordnungsgemäß verbucht worden waren.

Die Anleger ahnen zunächst nichts. Sie hatten eine hübsche Urkunde für ihr Investment in umweltfreundliche, zukunftsträchtige Projekte erhalten. Sie waren mit Schweizer Seriosität gelockt worden. Das alles suggerierte den Kleinanlegern Sicherheit.

Anlegerin Birgit Hagel erzählt, mit welchen Argumenten sie „geködert“ wurde:

Ob es Arglosigkeit, Gier oder Angst vor der Altersarmut ist, die Anleger dazu treibt ihre soliden Lebensversicherungen und Bausparverträge aufzukündigen? Am Ende hat die SAM fast 50 Millionen Euro eingesammelt.

Kapitel 2: Die Abzocke

Zunächst erhalten die Anleger noch erste Renditeauszahlungen. Doch dann bleiben diese aus. Einige Kunden der SAM AG wenden sich deshalb Anfang 2012 an die Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA).

Die FINMA wurde so auf die SAM AG erstmals aufmerksam – und auf ihre fehlende, aber notwendige Banklizenz. Der Aufkauf von Versicherungspolicen gilt als bankähnliches Geschäft – und das ist ohne entsprechende Aufsicht in der Schweiz verboten. Die FINMA untersagt deshalb den weiteren Geschäftsbetrieb, die SAM AG geht in Konkurs, wird nur wenige Monate später liquidiert.

Die SAM AG beschwichtigt die Anleger, schreibt von lösbaren Problemen und dass man Geduld haben solle. Vom Konkurs der Firma, der sie ihre Ersparnisse anvertraut hatten, erfahren die Anleger erst durch die FINMA. Sie informiert die 4500 Anleger darüber, dass die Konten der SAM AG eingefroren sind und dass die Firma nie eine Bankgenehmigung hatte. Der Traum von der angeblich so sicheren Rendite wird zum Albtraum.

Hinweise von verunsicherten Kunden führten die FINMA damals auf die Spur der SAM AG, berichtet Tobias Lux von der Schweizer Bankenaufsicht:

Insgesamt fast 50 Millionen Euro Anlegergelder sind über die Vertriebsgesellschaften und Tochterfirmen in die SAM AG geflossen. Aber die FINMA findet auf den Schweizer Konten der SAM AG 2012 bei der Raiffeisenbank Region Stans nur 3782 Schweizer Franken und 655.311 Euro.

Kapitel 3: Das Schatten-Netzwerk

Den Herren O., K. und H. ist zwar der Geschäftsbetrieb der SAM AG ab März 2012 verboten – aber sie werden ihre Anlagepapiere noch längere Zeit verkaufen. Schon sechs Tage nach dem Beschluss der FINMA beginnen sie, den Vertrieb nach München zu verlegen.

Sie bauen ein kompliziertes Dickicht aus Firmen und Tochterfirmen mit mehrfach wechselnden Namen auf: Aus der Capital Solutions AG wird zum Beispiel erst die Leo One Investment AG und dann die Leo One Green Invest. Vorstand der Firma ist Herr H. Eine andere Firma, die Bestlife Select AG, heißt plötzlich LEO One Verwaltungs AG. Ein halbes Jahr später gehen sie beide in der Thormann Verwaltungsgesellschaft mbH auf.

Experten wie der ehemalige Steuerfahnder Reinhard Kilmer sehen das als sicheres Indiz, dass hier etwas verschleiert und vertuscht werden soll:

Alle diese Firmen haben die gleiche Adresse in München, die Büroräume sind nicht voneinander abgetrennt. Von hier aus werden weitere Anlegergelder eingesammelt. Die komplizierten Strukturen eines weitläufigen Netzwerkes sind es, die den Behörden die Arbeit erschweren – und die Ermittlungen äußerst langwierig machen.

Das Firmengeflecht der SAM AG

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2013 ordnet das Amtsgericht München eine Durchsuchung der Münchner Geschäftsräume sowie der Privatwohnungen und der Fahrzeuge der Beschuldigten an. Aus den sichergestellten Unterlagen wird für die Ermittlungsbehörden ersichtlich, wo zumindest ein Teil der Anlegergelder investiert wurde.

Kapitel 4: Happy-end – oder auch nicht

Laut Staatsanwaltschaft München sollen fast 50 Millionen Euro der Anleger in die SAM AG geflossen sein. Davon über 20 Millionen Euro in die Regensburger FG-Gruppe, um u. a. in verschiedene Geothermie-Projekte zu investieren. Die SAM AG hielt Beteiligungen an einigen dieser Firmen.

Mit einem Teil der Anlegergelder der SAM AG sollte zum Beispiel ein Geothermiewerk im oberbayerischen Kirchweidach gebaut werden. Die 2000-Einwohner Gemeinde hofft auf das zukunftsträchtige Kraftwerk zur klimafreundlichen Energiegewinnung. Doch von Beginn an kommt es zu Problemen. Die Bohrungen dauern viel länger und kosten deshalb auch mehr als geplant.

Der Weg der Anlegergelder

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Als dann das heiße Wasser endlich sprudelt, stellt sich heraus, der Wasserdruck und die Temperatur sind zu niedrig, um das ursprünglich geplante Kraftwerk zu bauen. Deshalb gibt es nur eine Pumpstation.

Der Kraftwerksbau wird wieder und wieder verschoben. Der Gemüsebauer Josef Steiner aus Österreich wird auf die Pumpstation in Kirchweidach aufmerksam. Er plant ein klimaneutrales Gewächshaus für nachhaltiges und regional angebautes Obst und Gemüse. Ist das die Lösung?

Zusammen mit der Gemeinde und ihrer Firma Kirchweidach Energie GmbH baut und betreibt Josef Steiner bis heute zwei riesige Treibhäuser, beheizt dank der Geothermie. Unabhängig von SAM AG und FG-Gruppe gedeihen hier jetzt mit Erfolg Paprika, Tomaten und Erdbeeren. Darüber hinaus versorgt die Pumpstation auch einen Teil des kleinen Ortes mit Fernwärme. Für die Gemeinde Kirchweidach gibt es also gewissermaßen ein kleines Happy End – für die Anleger der SAM AG ändert sich nichts.

Die SAM AG-Anleger erhalten keinerlei Ausschüttungen. Und es bleibt die Frage: Wohin sind die restlichen Millionen Euro der Anlegergelder geflossen, die weder investiert wurden noch auf den Schweizer Konten der SAM AG aufzufinden waren?

Kapitel 5: Geldversteck in Panama

Die FINMA findet 2012 bei der Durchsuchung der Räumlichkeiten der SAM AG in Hergiswil in der Schweiz einen Hinweis über den möglichen Verbleib der Gelder. Zwei Firmen haben laut aufgefunder Unterlagen und Werbematerial an derselben Adresse eine Zweigniederlassung.

Die Ultra Sonic Holding AG hat ihren Hauptsitz in Luzern, Geschäftsführer ist Herr O., der auch Mitglied der Geschäftsleitung der SAM AG war. Laut Herrn O. ist die Ultra Sonic Holding AG streng zu unterscheiden von der Ultra Sonic Holding SA. Die hat ihren Hauptsitz in Panama. Herr O. bestreitet, auch die Geschäfte dieser Firma zu betreiben.

Das Firmengeflecht der SAM AG bis nach Panama

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Doch die FINMA stellt bei ihrer Durchsuchung Geschäftskorrespondenz und Einzahlungsbestätigungen beider Firmen sicher und kann somit belegen: Herr O. hatte durchaus Verbindung zur Ultra Sonic SA sowie zu sieben weiteren panamaischen Firmen mit derselben Zweigniederlassung in Hergiswil. Und nicht nur das: Für die Insolvenzverwalter der SAM AG steht fest, dass zumindest ein Teil der Anlegergelder über diesen Weg nach Panama geflossen ist und nicht bestimmungsgemäß investiert wurde.

Können diese Gelder wieder zurückgeholt werden? Dazu berichtet Tobias Lux von der Schweizer Bankenaufsicht:

Herr O. bestreitet jedoch gegenüber den Behörden, wirtschaftlich Berechtigter der sieben panamaischen Firmen gewesen zu sein. Um einen eindeutigen Beweis zu finden, arbeiten wir mit der Süddeutschen Zeitung zusammen. Sie hatte vor einem Jahr die sogenannten „Panama Papers“ veröffentlicht, vertrauliche Unterlagen des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca.

Wer verbirgt sich hinter dem Dienstleister Mossack Fonseca?

Der deutsche Anwalt Jürgen Mossack gründete 1977 in Panama eine Rechtsanwalts-kanzlei. 1986 schließt er sich mit dem panamaischen Anwalt Ramon Fonseca zusammen. Der ist nicht nur Anwalt, sondern auch ein hochrangiger Politiker mit engen Kontakten zum panamaischen Präsidenten. Der dritte Partner der Kanzlei ist ein Schweizer Jurist mit panamaischem Pass, Christoph Zollinger. Auch er ist gut vernetzt in Panama.

Das Geschäftsmodell von Mossack Fonseca besteht darin, Briefkastenfirmen zu verkaufen und sie auf Wunsch auch mit Scheindirektoren auszustatten. Das Geschäft mit den perfekten Geldverstecken floriert unter einer korrupten Justiz und mit so guten politischen Kontakten jahrelang.

Bis ein Mitarbeiter interne Dokumente aus den Räumen der Kanzlei an die Süddeutsche Zeitung gab. Diese sogenannten „Panama Papers“ enthüllten jede Menge Scheinfirmengeflechte, die zur Steuerflucht Prominenter und zu schlimmeren genutzt wurden.

Die Gründer der Offshore-Kanzlei Mossack Fonseca wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft.

Mit Hilfe eines Kollegen der Zeitung recherchieren wir in der Datenbank der „Panama Papers“. Die Suche nach den panamaischen Firmennamen ergibt drei bis vier Tausend Treffer und belegt die vielfältigen Dienstleistungen der panamaischen Kanzlei für Herrn O.

Die Dokumente beweisen zudem, dass Herr O. wirtschaftlich Berechtigter von mindestens einer der Panama-Firmen ist, und zwar von der Zentauri Overseas Group AG. An diese Firma gingen mehrere Hundertausend Euro Anlegergelder. O. besitzt darüber hinaus unbegrenzte Handlungsvollmacht für die anderen panamaischen Firmen.

Herr O. und drei weitere Mitglieder der SAM AG sind Ende Februar 2017 verhaftet worden. Die Staatsanwaltshaft will noch in diesem Jahr Anklage wegen schweren Betrugs erheben. Aber ob die verschwundenen Anlegergelder jemals wieder auftauchen, ist fraglich. Wenn sie in Panama verblieben sind, gilt ein Zurückholen des Geldes als unmöglich.

Die spannende Geschichte rund um die SAM AG und weitere aufsehenerregende Anlegerskandale sehen Sie am 5. April um 22.15 Uhr unter dem Titel „In den Fängen der Abzocker – Wie Anleger um Milliarden gebracht werden“ im ZDF.

Und was können Sie tun, um nicht auf trickreiche Geldgeschäfte hereinzufallen?

Schutz vor Anlagebetrug: Besser nur in das investieren …

… was man kennt

Unbekannten Anbietern – auch wenn sie von Freunden empfohlen werden – sollte man misstrauen. Wer unsicher ist, kann sich in Verbraucherzentralen (vzbv.de) beraten lassen. Eine beliebte Falle ist ein Gütesiegel der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) – denn ein solches Gütesiegel im Sinne einer Qualitätsprüfung gibt es überhaupt nicht. Die Aufsichtsbehörde prüft Finanzprodukte nur auf die formalen Bedingungen, aber sie überprüft nicht das Anlagemodell und die Renditeversprechen. Aussagen wie „Prospekt bei der BaFin hinterlegt“ missbilligt die BaFin deshalb, weil diese Art der Werbung keinerlei Aufschluss über die Qualität des Angebotes oder des Anbieters gibt.

… was man versteht

Wichtig ist, dass man selbst nachvollziehen kann, wie die Geldanlage funktioniert. In was wird Geld investiert und wie kommt die Rendite zustande? Diese Fragen sollte ein Anleger klar für sich beantworten können – und von allzu komplizierten Produkten die Finger lassen. Denn höchstwahrscheinlich ist die Komplexität des Anlagemodells ein Mittel zur Verschleierung von Betrug.

… was man kontrollieren kann

Anleger sollten die Kostenstruktur des Investments genau prüfen, so dass klar ist, welche Gebühren Jahr für Jahr abgehen. Besondere Vorsicht ist bei kreditfinanzierten Anlagen nötig.

… was nicht zu weit weg ist

Am besten Finger weg von Geldanlagen, bei denen das Geld ins Ausland investiert wird oder deren Anbieter im Ausland sitzen. Denn wenn etwas schief geht, unterliegt man bei einer Auslandsinvestition nicht mehr dem deutschen Rechtssystem und hat Schwierigkeiten, seine Ansprüche geltend zu machen.

… was nicht zu viel verspricht

„Etwas was sicher hellhörig machen muss, sind sehr hohe Renditeversprechen.“, sagt Tobias Lux von der Schweizer Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma). „Wenn Renditen versprochen werden, die weit von den herkömmlichen Renditen, die man erzielen kann, abweichen, stimmt etwas nicht“. Zweistellige Renditen sind mit großer Vorsicht zu genießen. Denn das ist der beliebteste Köder für die Betrugsfalle: Die Lust auf das schnelle Geld.

… was einem nicht aufgedrängt wird

Unseriöse Anbieter arbeiten bei ihrer Betrugsmasche häufig mit Druck – man müsse sich schnell entscheiden, schnell viel Geld investieren, sonst sei das Angebot hinfällig. Seriöse Anbieter haben Verständnis, dass man sich Zeit für die Entscheidung über eine hohe Investition nehmen möchte, denn vor allem gilt:

Erst investieren, wenn man bestens über den Anbieter und sein Produkt informiert ist.

Egal ob Hochglanzprodukte, Urkunden, aufwendige Internetseiten, Werbeclips oder Telefonmarketing – vertrauenswürdig macht das einen Anbieter noch lange nicht.

Sowohl die Finma als auch Stiftung Warentest, veröffentlichen Warnlisten. Den Anbietern, die dort gelistet sind, traut man besser gar nichts an:

Warnliste der FinMa
Warnliste von Stiftung Warentest

Steht der Anbieter auf keiner dieser Listen, bedeutet das nicht gleich Entwarnung – dann sollte man nun selbst alle Möglichkeiten zur Recherche nutzen. Abgesehen von einer einfachen Google-Suche des Anbieters, bieten sich entsprechende Internetforen und Konsumentenseiten zur Prüfung an. Wenn sich enttäuschte Anleger zu dem Anbieter finden, ist schnell klar – das ist keine gute Idee. Des Weiteren empfiehlt es sich, den Handelsregisterauszug zu lesen: Hat häufig der Firmenname und der Firmensitz sowie der Zeichnungsberechtigte (Prokurist) gewechselt, ist das höchst verdächtig. Und wer gar nicht erst im Handeslregister drinsteht, sowieso.

Gemeinsames Registerportal der Länder
Weitere Infos zum Grauen Kapitalmarkt