Google - Unheimlich nützlich

Wie der US-Konzern unseren Alltag durchdringt

Mehr als nur eine Suchmaschine

40.000 Suchanfragen stellen Menschen auf der ganzen Welt pro Sekunde an Google, das Verb “googeln” hat es sogar in den Duden geschafft. Google ist die unangefochtene Nummer eins unter den Suchmaschinen. Doch der Konzern aus Kalifornien ist noch viel mehr – und nicht unumstritten.

Von Google zu Alphabet

Selbstfahrende Autos, Kontaktlinsen für Diabetiker, Paketlieferung per Drohnen oder die Datenbrille – Google entwickelt und forscht in vielen Bereichen. Das Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Angefangen hat alles an der Universität Stanford, hier haben sich die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin kennengelernt.

Das Imperium

Um ihre vielfältigen Aktivitäten neben der Suchmaschine besser zu strukturieren, haben Page und Brin im September 2015 Alphabet gegründet. Die neue Dachgesellschaft Alphabet ist einer der größten Akteure im Silicon Valley.

Forschung für die Zukunft

In den vergangenen Jahren sind neben dem Suchmaschinengeschäft viele Firmen und Ideen dazugekommen, die meisten davon mit eher futuristischem Charakter. So zum Beispiel der Thermostat-Hersteller Nest: Google kaufte 2014 das Unternehmen zur Vernetzung von Hausgeräten für 3,2 Milliarden Dollar. Hier geht es nicht nur um internetfähige Fernseher, sondern auch darum, dass Kühlschränke, Waschmaschinen, Herde und Rauchmelder miteinander kommunizieren können und sich von unterwegs bedienen lassen.

Auch Googles sogenannte Life-Science-Abteilung ist nun eigenständig unter dem Dach von Alphabet – und mit einem neuen Namen versehen: Verily. Hier wurde zum Beispiel die Kontaktlinse erfunden, die bei Diabetes-Patienten den Blutzucker misst. Ebenfalls der Medizin verschrieben hat sich die Alphabet-Tochter Calico. Das Biotechnologieunternehmen soll vor allem das Altern erforschen.

Die Forschungsabteilung Google X ist nun ebenfalls eine eigenständige Alphabet-Tochter: In dem Innovationslabor werden unter anderem die selbstfahrenden Autos sowie Drohnen und Ballons entwickelt, um die entlegensten Gebiete der Welt aus der Luft mit Internet zu versorgen. All diese futuristischen Test-Projekte – von den Google-Gründern Moonshots genannt – haben nur noch wenig mit den Anfängen der Suchmaschine zu tun.

Wir sind gespannt darauf, ehrgeizige Ziele zu erreichen, langfristig zu denken, großartigen Unternehmern und Firmen zum Erfolg zu verhelfen und in Chancen und Ressourcen, die wir sehen, zu investieren. (…) Und hoffentlich – als ein Ergebnis aus all diesen Punkten – das Leben von so vielen Menschen wie möglich zu verbessern.
Larry Page auf der Alphabet-Website abc.xyz zur Alphabet-Gründung

Dass die Innovationsbereitschaft von Google erfolgreich ist, zeigt sich in den Wirtschaftsdaten. Heute ist Google – jetzt Alphabet – eines der größten Unternehmen der Welt. Im Vergleich dazu wirken deutsche DAX-Schwergewichte wie Daimler oder Siemens geradezu klein. Selbst zusammengenommen reicht ihr Börsenwert längst nicht an Google heran.

Börsengigant Google

Google ist eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Google hat so gut wie keine Schulden. Google macht jedes Jahr über zwanzig Millionen Dollar operativen Cashflow. Allein unter finanziellen Gesichtspunkten ist es ein extrem wertvolles und damit auch mächtiges Unternehmen.
Professor Christoph Kaserer, Kapitalmarktexperte TU München

Googles Macht

Ob Testberichte, Kinoprogramm oder Skiurlaub: Wer im Netz nach Informationen sucht, „googelt“ erstmal. Google sortiert für uns die Welt, das Wissen. Es beeinflusst wohin wir verreisen, welche Produkte wir kaufen oder wie wir unsere Freizeit verbringen.

Und das ist längst nicht alles: Google bietet neben der Web-Suche zahlreiche Dienste und Programme an, mit denen es seine Stellung im Netz festigt. Dazu zählen beispielsweise das Kartenprogramm Google Maps, die weltgrößte Videoplattform Youtube, der Browser Chrome oder der E-Mail-Dienst Gmail. Auch im mobilen Bereich ist Google führend: 2015 liefen weltweit mehr als 80 Prozent der  Smartphones mit Googles Betriebssystem Android.

Wir teilen Babyfotos über Picasa, tauschen über Google Drive Arbeitspapiere aus oder laden Apps aus dem Google Play Store herunter. Wir begeben uns in den Google-Kosmos, selbst wenn wir die Suchmaschine nicht nutzen. Und übermitteln dem Konzern mit jeder Nutzung eine Vielzahl an Daten – und damit eine Fülle an Informationen über uns. Vielen Menschen ist das nicht bewusst.

Geschätzt und gefürchtet

Google hat mit seiner Suchmaschine eine monopolähnliche Stellung. Weltweit nutzen fast 90 Prozent der Internetnutzer die Suchmaschine – in Deutschland sind es sogar fast 95 Prozent, in den USA immerhin noch etwa 78 Prozent.

Wer bei Google nicht gefunden wird, existiert praktisch nicht. Wer eine Webseite anbietet und damit als Unternehmer oder Dienstleister erfolgreich sein möchte, muss sich an den Algorithmus des US-Konzerns anpassen. Die Logik dahinter ist nicht transparent. Änderungen sind bei Firmen gefürchtet, weil sie dazu führen könnten, dass ihre Seiten in der Suchergebnisliste nach unten wandern.

Das Problem: Google bestimmt die Regeln allein. Teilweise sind die Ranking-Kriterien eher qualitativer Natur, beispielsweise die Anzahl der Verlinkungen. Das heißt, den Nutzern wird nicht zwangsläufig der inhaltlich beste Treffer als erster angezeigt. Und die wenigsten Verbraucher gehen über die erste Seite der Suchergebnisliste hinaus.

Daten als Währung

Dabei sind die Google-Dienste nur vermeintlich gratis. Denn jeder Nutzer bezahlt das kostenfreie Angebot mit seinen Daten: Was beschäftigt uns? Welche politische Einstellung haben wir? Wo halten wir uns auf? Google sammelt persönliche Informationen über uns und kann diese zu Profilen zusammenfügen.

„Das Geschäftsmodell von Google ist sicher nicht, dass wir Nutzerdaten verkaufen würden“, erklärt Kay Oberbeck, Google-Sprecher Nordeuropa. Das Geschäftsmodell von Google basiere darauf, den Usern möglichst passende Werbeeinblendungen anzubieten „um letzten Endes auch dem Nutzer relevante Zusatzinformationen zukommen zu lassen.“

Je mehr Google über einen Nutzer weiß, desto besser kann es seine Dienste und seine Werbeanzeigen auf den einzelnen zuschneiden. Für Google, das sein Geld hauptsächlich mit Werbung verdient, ein einträgliches Geschäft.

Das Datensammeln und Datenverknüpfen birgt Gefahren. So lassen sich Rückschlüsse auf Lebensgewohnheiten, Vorlieben oder Gesundheitsprobleme des Einzelnen ziehen – wir werden zum „gläsernen Bürger“.

Google sieht den Einzelnen in der Verantwortung. „Die Philosophie bei Google ist, dass der Nutzer bestimmen sollte, was Google weiß und was nicht. Und wir verwenden sehr viel Zeit um das sicherzustellen und zu garantieren“, sagt Kai Hansen, Produktmanager von Google Maps.

„Wenn Sie die Suchanfragen, die Sie bei Google getätigt haben, oder die Orte, die Sie besucht haben, nicht mehr gespeichert haben wollen, dann können Sie das sehr gut selber einstellen. Sie können zum Beispiel den gesamten Suchverlauf komplett löschen,“ betont auch Google-Sprecher Oberbeck. „Dann ist er nicht mehr mit Ihrem Google-Konto verlinkt und insofern nicht mehr mit Ihnen in Verbindung zu bringen.“

Personalisierte Suche

Experten kritisieren aber nicht nur das Sammeln der persönlichen Daten, sondern auch den Einfluss, den Google wegen seiner Vormachtstellung und seiner finanziellen Macht auf gesellschaftliche Entwicklungen habe, ohne demokratisch legitimiert zu sein.

Google passt die Suchergebnisse immer stärker unserem persönlichen Profil und unserem Surfverhalten an. „Wo bleibt da die Meinungsvielfalt, wenn Sie nur noch das lesen sollen, was Sie lesen wollen oder vermeintlich Ihnen am besten entspricht? Sie lesen dann andere Dinge gar nicht mehr, die Sie eigentlich lesen müssten, weil das wichtig wäre für Ihr demokratisches Verhalten“, warnt die IT-Expertin Yvonne Hofstätter.

Googles Gegner

Wegen seiner Marktdominanz ist Google von vielen Seiten unter Beschuss. Ob Konkurrenten aus den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen, Verleger, Politiker: Immer wieder wird der Ruf nach einem härteren Umgang mit dem US-Konzern laut. Datenschützer, Kartellbehörden oder Gerichte auf der ganzen Welt nehmen Google regelmäßig ins Visier. So hatte der Europäische Gerichtshof im Mai 2014 entschieden, dass Suchmaschinen Links von ihren Ergebnisseiten löschen müssen, wenn sich ein Nutzer in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sieht.

Auch bei der EU-Kommission läuft eine Untersuchung gegen Google. Die Wettbewerbshüter werfen dem Konzern vor, er missbrauche seine Marktmacht und bevorzuge seine eigenen Dienste in den Suchergebnissen. Außerdem mache Google Smartphone-Herstellern, die das Betriebssystem Android nutzen, unlautere Vorgaben, bestimmte Anwendungen zu installieren.

Google bestreitet dies. Die Vorwürfe seien ungerechtfertigt, erklärte der Internet-Konzern in einem Blogeintrag. Google sorge im Gegenteil für mehr Auswahl für europäische Verbraucher. Der Ausgang des Verfahrens ist noch offen – die EU könnte aber eine Milliardenstrafe verhängen.

Nutzer in der Pflicht

Aufgrund seiner dominanten Stellung und der vielen attraktiven Dienste ist es  schwierig, Google komplett zu umgehen. „Die Services sind toll, das ist verführerisch, das ist bequem“, sagt IT-Expertin Hofstetter. „Deshalb nutzen wir diese Angebote natürlich auch und verschlimmern dadurch die ganze Situation.“

„Man sollte sich Google nicht verweigern, aber man sollte Google verstehen lernen,“ sagt der Kulturhistoriker Vaidhayanahan – und rät, immer mal wieder auf andere Suchmaschinen auszuweichen oder sich auf klassische Rechercheinstrumente wie Bücher zu verlassen.

Was also kann man tun, um sich dem Datensammeln zumindest ein wenig zu entziehen?

Personenprofile

Bei der Nutzung der Google Suchmaschine und anderer Google-Dienste wird automatisch an jeden Benutzer eine individuelle Identifikationsnummer vergeben, die im Hintergrund über Cookies auf dem jeweiligen Gerät gespeichert wird. Dadurch ist es nicht nur möglich, Suchanfragen und Zugriffe auf weiterführende Internetseiten zu protokollieren, es kann auch ein Großteil der Internetnutzung nachverfolgt werden. Die Bandbreite der erfassten Informationen reicht dabei von persönlichen Interessen bis hin zu Bewegungsprofilen. Zusammengefasst ergeben diese Daten teils umfangreiche Personenprofile, die Aussagen über sexuelle Orientierung aber auch Kaufkraft des jeweiligen Nutzers beinhalten können.

Lösungs-Tipp

Nutzt man etwa Google als Suchmaschine empfiehlt es sich, die Cookies mindestens bei jedem Beenden des Browsers zu löschen und auch nur auf den aufgerufenen Seiten zu erlauben. Zudem ist es möglich, Daten sammelnde JavaScripts, die von Trackingsdiensten wie Google-Analytics genutzt werden, zu blocken. Entsprechende Einstellungen und Plug-Ins lassen sich für die gängigen Browser im Netz finden. Weitere Hilfestellungen um das Google-Tracking so gut es geht zu umgehen, finden sich auch in den folgenden Punkten.

Personalisierte Suche

Bei der Nutzung der Google Suchmaschine werden Cookies, die eine individuelle Identifikationsnummer enthalten, auf dem jeweiligen Endgerät gespeichert. So können Suchergebnisse des Benutzers nicht nur protokolliert, sondern auch auf diesen zugeschnitten werden. Dies führt dazu, dass zwei Nutzer bei gleichem Suchbegriff unterschiedliche Ergebnisse erhalten können. Diese Maßnahme kann aber auch wie ein Filter funktionieren und der eigenen Meinung wiedersprechende Ergebnisse aussparen. Der Benutzer wäre demnach in einer „Filterblase“ aktiv.

Lösungs-Tipp

Um diese Erfassung und Filterung zu umgehen, empfiehlt sich die Nutzung anderer Suchmaschinen, die darauf verzichten. Dazu gehören etwa Suchmaschinen wie DuckDuckGo, MetaGer oder Qwant.

Diffamierende Inhalte

Mitunter werden bei der Google-Suche auch diffamierende Inhalte als Suchergebnisse angezeigt, in denen falsche Tatsachen über Personen behauptet werden oder bei denen in die Privatsphäre von Personen eingegriffen wird – beispielsweise aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter.

Lösungs-Tipp

Die Betroffenen können diese Suchergebnisse bei Google melden. Die Anträge werden geprüft und bei Stattgabe werden die betreffenden Links aus dem Suchindex von Google gelöscht. Allerdings ist die Löschung nur für eine bestimmte Region möglich, wie etwa die deutsche Google-Suche. Bei anderen Lokalisierungen bleiben die Suchergebnisse bestehen.

Bewegungsprofile

Bei der Nutzung von Google-Maps kann Google den Standort des Nutzers erfassen, speichern und daraus Bewegungsprofile erstellen. Diese Daten können in Personenprofile einfließen und Rückschlüsse über den finanziellen und sozialen Status oder die Aktivität des Benutzers möglich machen.

Lösungs-Tipp

Um das Geotracking bei Google-Maps zu verhindern, lassen sich sowohl im Browser als auch auf mobilen Endgeräten diesbezügliche Einstellungen vornehmen. Bei Browser-Nutzung lassen sich die Nutzerstandorte über die Einstellungen des Google-Kontos löschen. Sowohl bei Handys mit Android-Systemen, als auch bei iOS-basierten Geräten lassen sich die Ortungsdienste einschränken. Bei iOS verhindert diese Einstellung jedoch die komplette Nutzung der Google-Maps-App.

Google-Konto

Über das Google-Konto gelangt der Konzern an persönliche Informationen: Jeder Nutzer mit einem Google-Konto zur Nutzung von Diensten wie etwa Gmail, Youtube, Google Maps oder auch Google+ gibt Daten an Google weiter. Hierzu können auch Informationen bis hin zu den genutzten WLAN-Netzwerken oder auch dem Akkustand mobiler Endgeräte zählen.

Lösungs-Tipp

Datenschützer empfehlen, die Privatsphäre-Einstellungen des eigenen Google-Kontos spätestens bei jeder Neuerung zu kontrollieren und anzupassen. Bisher aufgezeichnete Web- und App-Aktivitäten können hier auch gelöscht werden. Es lassen sich zudem Einstellungen vornehmen, ob Google z.B. GPS-Koordinaten und Kontakt- und Kalendereinträge der Nutzer verwenden darf. Auch lassen sich dort Einschränkungen zur personalisierten Werbung vornehmen.

TV-Tipp: Die Dokumentation „Weltmacht Google“ sehen Sie am 4. Januar 2016 um 19.25 Uhr im ZDF oder in der ZDFmediathek.