Extremsport

Meilensteine - von Matthew Webb bis Seth Morrison

Meilensteine des Extremsports

25. August 1875

3481 Mal ist der Ärmelkanal bislang durchschwommen worden (Stand 7. Oktober 2016). Der Erste, der die 33 Kilometer zwischen Dover und Calais ohne Hilfsmittel bewältigt, ist der 27 Jahre alte britische Seemann Matthew Webb. Nach 21:45 Stunden erreicht er am 25. August 1875 das Ziel.

Acht Jahre später stirbt Webb beim Versuch, die Whirlpool Rapids (extrem gefährliche Stromschnellen des Niagara-Flusses) zu durchschwimmen.

1911

Sicherungshaken, Kletterseil oder gar Trittleiter – nein Danke. Paul Preuß propagiert puristisches Klettern. Sicherheit steht für ihn an oberster Stelle. Auf Sicherungen verzichtet er aber weitgehend und bezeichnet sie als „durch künstliche Hilfsmittel erreichte Korrektur eigener Unsicherheit“.

Die Routen, die er in seiner stärksten Zeit nach 1911 ohne Sicherung durchsteigt, erreichen den 5. Schwierigkeitsgrad. Ein Schwierigkeitsgrad, den sich bis heute nur wenige Kletterer free solo (also im Preuß’schen Stil ohne Sicherung) zutrauen.

Seine Philosophie vom Klettern manifestiert Paul Preuß in sechs Grundsätzen, die im Spitzen-Bergsport bis heute gelten (sollten).

Die Preuß’schen Grundsätze

  1. Bergtouren, die man unternimmt, soll man nicht gewachsen, sondern überlegen sein.
  2. Das Maß der Schwierigkeiten, die ein Kletterer im Abstieg mit Sicherheit zu überwinden im Stande ist und sich auch mit ruhigem Gewissen zutraut, muss die oberste Grenze dessen darstellen, was er im Aufstieg begeht.
  3. Die Berechtigung für den Gebrauch von künstlichen Hilfsmitteln entsteht daher nur im Falle einer unmittelbar drohenden Gefahr.
  4. Der Mauerhaken ist eine Notreserve und nicht die Grundlage einer Arbeitsmethode.
  5. Das Seil darf ein erleichterndes, niemals aber das alleinseligmachende Mittel sein, das die Besteigung der Berge ermöglicht.
  6. Zu den höchsten Prinzipien gehört das Prinzip der Sicherheit. Doch nicht die krampfhafte, durch künstliche Hilfsmittel erreichte Korrektur eigener Unsicherheit, sondern jene primäre Sicherheit, die bei jedem Kletterer in der richtigen Einschätzung seines Könnens zu seinem Wollen beruhen soll.

Paul Preuß lebt seine Ideologie vom Klettern mit Leidenschaft aus. Einem Kritiker seines Tuns antwortet er einmal: „Der Gedanke, ein Sturz, und du bist tot, hat einen höheren ethischen Wert als der Gedanke, wenn du fällst, hängst du drei Meter am Seil.“

1913 stürzt Paul Preuß ab. Er wird 27 Jahre alt.

1960

Freitauchen ist eigentlich ein alter Hut. Schon in der Steinzeit gehen Jäger und Sammler auf Tauchgang, um Schwämme, Muscheln und Perlen vom Meeresboden aufzulesen.

Sportlich wird es 1949, als der Italiener Raimundo Bucher nachweislich 30 Meter tief taucht, ohne Hilfsmittel. Seinen Landsmann Enzo Maiorca (Jahrgang 1931), Pharmavertreter und nebenbei einer der besten Speerfischer auf Sizilien, inspiriert das für höhere Aufgaben. Maiorca beginnt mit dem Training und knackt 1960 die 50 Meter.

Später liefert sich Maiorca mit Jacques Mayol (gestorben 2001) ein Wettrennen um die doppelte Tiefe. Sieger ist der Franzose, der am 23. November 1976 die 100 Meter erreicht.

Das Duell der beiden diente dem Regisseur Luc Besson als Vorlage zum Film „Im Rausch der Tiefe“.

18. Februar 1978

Aus drei mach‘ eins: Im Februar 1977 hat Navy-Commander John Collins auf Hawaii die Idee des ultimativen Ausdauerwettbewerbs. Drei große Events gibt’s auf der Insel schon: Den Waikiki Roughwater Swim (3,86 Kilometer), das Around-Oahu Bike Race (185 Kilometer) und den Honolulu-Marathon (42,195 km). Collins schlägt vor: Warum nicht alle drei Disziplinen hintereinander bestreiten?

Gute Idee, finden die 15 Männer, die am 18. Februar 1978 zum ersten Ironman an den Start gehen. Gordon Haller ist der Premierensieger, er braucht 11:46:58 Stunden. Erste Legende wird Dave Scott, der zwischen 1980 und 1987 sechs Mal gewinnt. 1997 siegt mit Thomas Hellriegel zum ersten Mal ein Deutscher.

8. Mai 1978

Reinhold Messner transportiert die Preuß’schen Grundsätze ins Höhenbergsteigen. Er greift Ideen des Nanga-Parbat-Erstbesteigers Hermann Buhl auf und etabliert den Alpinstil: Nur das Nötigste wird auf den Berg mitgenommen.

Das heißt:
– keine Träger
– keine Basislager mit All-Inclusive-Versorgung
– die Routen werden nicht präpariert und mit Fixseilen gesichert
– die Bergsteiger sind in kleinen Seilschaften unterwegs und tragen ihre Verpflegung und Ausrüstung selbst

„By fair mains“ ist der Fachbegriff.

In diesem Stil eröffnet Messner mit Peter Habeler 1975 eine schwere Neutour am Gasherbrum I (8080 Meter) – ein Markstein der Zeit.

1978 verblüfft er Ärzte, die vor irreparablen Hirnschäden durch Sauerstoffmangel warnten, indem er (wieder mit Habeler) ohne Hilfssauerstoff den Mount Everest besteigt – allerdings in einem großen klassischen Expeditionsteam. Hier beschreibt Messner die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel:

1980 realisiert Messner das Nonplusultra und besteigt den Everest alleine, teils auf neuer Route und wieder ohne Flaschensauerstoff.

Anfang 1980er Jahre

Wem Fallschirmspringen zu langweilig ist, der stellt sich an die Kante und macht kurzen Prozess: Carl Boenish (Porträt im Video) ist der Erste, der von allen vier Objektarten gesprungen ist. 1981 gibt er dem Kind einen Namen und kreiert den Begriff B.A.S.E-Jump. B.A.S.E steht für: Building (Gebäude), Antenna (Antennenmast/Turm), Span (Brücke) und Earth (Erde/Felsen).

Noch ein Unterschied zum Fallschirmspringen: B.A.S.E-Jumper haben keinen Ersatzschirm dabei – würde sich wegen der geringen Absprunghöhe auch nicht lohnen.

Ende der 1990er entwickelt sich das Wingsuitspringen. Dank spezieller Anzüge lässt sich die Flugphase verlängern. Wingsuiter springen auch aus Flugzeugen.

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1997

Ein Downhillrennen bei San Francisco im Jahr 1976 gilt als die Geburtsstunde des Mountainbikens; etwas mehr als 20 Jahre später entdecken drei wagemutige Gesellen den Reiz des Terrains abseits der Pisten.

Richie Schley, Wade Simmons und Brett Tippie tasten sich an die Grenzen des mit dem Fahrrad Machbaren heran: Steilabfahrten, Sprünge von Klippen hinab und über tiefe Gräben hinweg. Im Jahr 1997 schafft es Richie Schley aufs Cover der US-amerikanischen „Bike“. Bilder, die man bis dahin kaum gesehen hat.

Die Freeride-Bewegung findet schnell viele Anhänger – und schon 2001 wird aus dem Spaß ein Wettbewerb: In Utah geht die erste Auflage der legendären Red-Bull-Rampage über die Bühne. Premierensieger ist Wade Simmons.

27. Juni 1999

Tony Hawk kreiert in den 80er und 90er Jahren haufenweise neue Skateboard-Tricks. Sein Meisterstück zaubert der damals 31-Jährige bei den X-Games 1999 in die Half Pipe: Die Welt-Uraufführung des 900er (zweieinhalb Drehungen um die Körperlängsachse).

Es dauert zwölf Jahre, bis jemand den 1080er (drei Drehungen) springt; der zwölfjährige Tom Schaar braucht dafür allerdings eine weitaus größere Megaramp.

48 Jahre alt ist Tony Hawk, als er am 27. Juni 2016 – exakt 17 Jahre nach der Premiere – seinen 900er wiederholt. Zum letzten Mal, wie er sagte.

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17. August 2000

Es ist nicht allein dieser sagenhafte Ritt über die Welle von Teahupoo, der Laird Hamilton (Jahrgang 1964) zur Legende macht. Dieser Stunt am 17. August 2000 vor der Küste Tahitis bringt ihm ein Titelfoto im „Surfer“-Magazin ein – und die ganze Branche liegt ihm zu Füßen.

Machbar sind solche Kunststücke nur mit Tow In – einer Technik, die Hamilton in den 90er Jahren mit entwickelt hat. Dabei lassen sich die Surfer von einem Jet-Ski hoch zur Wellenlippe ziehen. Allein mit anpaddeln könnten die Big-Wave-Surfer den Einstieg nicht erreichen.

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23. Mai 2001

Nochmal Mount Everest. „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist – denn vorher gehörst du ihm“, sagte Hans Kammerlander einmal. Der Franzose Marco Siffredi (Jahrgang 1979) – ein Freerider aus der legendären Szene in Chamonix – wählt am 23. Mai 2001 das Snowboard für den Rückweg vom Gipfel und geht damit in die Geschichte ein.

Anderthalb Jahre später will er das Projekt wiederholen. Nur fällt diesmal weitaus mehr Schnee. Völlig erschöpft erreicht er den Gipfel. „Müde. Müde. Zu viel Schnee. Zu lange geklettert“, hechelt er ins Satellitentelefon. Dennoch stellt sich Siffredi aufs Board. Nachmittags gegen 15.15 Uhr sehen seine Kumpels, wie er hinter einer Nebelwand verschwindet. Siffredi kommt nie unten an. Sein Leichnam ist bis heute nicht gefunden worden.

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August 2006

Der Mann hat Benzin im Blut: Travis Pastrana (Jahrgang 1983) macht sich unsterblich, als er bei den X-Games 2006 mit seiner Motocross-Maschine einen doppelten Rückwärtssalto springt.

Danach steigt der US-Amerikaner auf vier Räder um und startet bei diversen Rallyes. Die Sprung-Leidenschaft behält er jedoch: Silvester 2009 lässt er seinen Wagen 92 Meter durch die Luft segeln – Weltrekord.

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2008

Nennen wir’s mal Tiefschnee für Fortgeschrittene: Ski-Freerider holen sich ihren Kick beim Befahren von Steilhängen. Fahren? Wird knapp, denn vom freien Fall sind die Sportler nicht weit weg.

Seth Morrison (Jahrgang 1973) ist seit 2000 derjenige, der immer noch eins drauflegt. Höhepunkt seines Schaffens ist seine Sequenz im Film „Under the Influence“ aus dem Jahr 2008.

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