Fußball-Königsklasse

Endspiele, die Geschichte schrieben

Elfmeterhelden, späte Tore und eine Katastrophe

1955 wurde der Wettbewerb als „Europapokal der Landesmeister“ gegründet, 1992 renoviert und in „Champions League“ umgetauft: Der Wettstreit um die Krone im europäischen Vereinsfußball fasziniert die Massen. Neun Endspiele ragen dabei heraus.

1960: Real Madrid – Eintracht Frankfurt

Fünf Mal in Serie der gleiche Titelträger? Heute kaum vorstellbar – zu ausgeglichen sind Europas Spitzenteams. In den 1950er Jahren herrschen andere Verhältnisse, die kontinentale Elite besteht aus einer Mannschaft: Real Madrid. Im Mai 1960 gewinnen die Königlichen mit dem 7:3 gegen Eintracht Frankfurt den Europacup der Landesmeister zum fünften Mal in Folge. Eine Serie, die bis heute nicht annähernd erreicht ist.

Tore

0:1 Richard Kress (18.)
1:1, 2:1 Alfredo Di Stéfano (27., 30.)
3:1, 4:1, 5:1, 6:1 Ferenc Puskás (45., 56./Elfmeter, 60., 71.)
6:2 Erwin Stein (72.)
7:2 Alfredo Di Stéfano (73.)
7:3 Erwin Stein (75.)

 

1974: Bayern München – Atlético Madrid

Erst 1974 ist eine deutsche Mannschaft an der Reihe. „Katsche“ Schwarzenbeck rettet Bayern München im Finale gegen Atlético Madrid mit seinem Last-Minute-Treffer ins Entscheidungsspiel (Elfmeterschießen gibt es damals noch nicht) – zwei Tage später gewinnen die Bayern 4:0.

Tore

Bayern München – Atlético Madrid 1:1 n.V. (0:0)

0:1 Luis Aragonés (114.)
1:1 Georg Schwarzenbeck (120.)

Bayern München – Atlético Madrid 4:0 (1:0)

1:0 Uli Hoeneß (28.)
2:0, 3:0 Gerd Müller (57., 70.)
4:0 Uli Hoeneß (83.)

 

1982: Aston Villa – Bayern München

Noch eine Serie: 1982 holt Aston Villa mit einem 1:0 gegen Bayern München den Titel. Damit geht der Pokal zum sechsten Mal in Folge in ein Land. Zuvor waren der FC Liverpool (drei Mal) und Nottingham Forest (zwei Mal) erfolgreich.

Siegtorschütze Peter Withe (Foto: Imago)

Zerknirscht: Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Paul Breitner (Foto: Imago)

Tor

1:0 Peter Withe (67.)

 

1985: Juventus Turin – FC Liverpool

Die Katastrophe im Brüsseler Heyselstadion beginnt vor dem Anpfiff, als Fans des FC Liverpool einen Block stürmen, in dem sich Juventus-Anhänger aufhalten. Panik bricht aus, eine Mauer stürzt um und begräbt größtenteils italienische Fans unter sich. 35 Menschen sterben auf der Tribüne, 454 werden verletzt.

Die Juve-Fans hätten sich in dem Block neben den Engländern gar nicht aufhalten dürfen. Dass sie Tickets für den Block erhielten, hatte ein UEFA-Offizieller zu verantworten. Dieser verschacherte die Tickets an ein italienisches Reisebüro.

Trotz der Katastrophe wird das Finale angepfiffen. Das ZDF verzichtet auf eine Übertragung. Juventus Turin gewinnt gegen den FC Liverpool mit 1:0.

Tor

1:0 Michel Platini (58., Foulelfmeter)

1986: FC Barcelona – Steaua Bukarest

Vier Elfmeter – und damit alle Schüsse – in einem Elfmeterschießen parieren? Kann vorkommen, in der Kreisliga vielleicht. Aber in einem Champions-League-Finale? Ist vorgekommen: 1986 hält Steaua Bukarests Keeper Helmuth Duckadam alle vier Schüsse der Schützen des FC Barcelona – und die Außenseiter aus Rumänien gewinnen 2:0 im Elfmeterschießen (0:0 n.V., 0:0, 0:0).

Unüberwindbar an diesem Abend: Helmuth Duckadam.

Der Elfmeterheld mit dem Pokal (Fotos: dpa)

Elfmeter verwandelt: Marius Lăcătuș und Gavril Balint
Elfmeter gehalten: Duckadam gegen Alexanko, Pedraza, Pichi Alonso und Marcos Alonso – Urruti (Barcelona) gegen Majearu und Bölöni

Neuer Modus – gleicher Pokal

1992 schickt die UEFA den Landesmeister-Cup in den Ruhestand und hebt dafür die Champions League aus der Taufe

1993: Olympique Marseille – AC Mailand

Zwar dürfen nach wie vor nur die Landesmeister mitspielen, allerdings in einem neuen Modus: Zwei K.o.-Runden, bis acht Mannschaften übrigbleiben. Dann zwei Vierer-Gruppen mit Hin- und Rückrunde. Die beiden Sieger (Olympique Marseille und AC Mailand) bestreiten schließlich das Finale. Marseille gewinnt 1:0.

Tor

1:0 Basile Boli (44.)

1999: Manchester United – Bayern München

Ein Spiel ist aus, wenn es der Schiri abpfeift. Es gibt kein besseres Beispiel für diese Floskel als das Finale von 1999. Mit einer 1:0-Führung geht Bayern München in die Nachspielzeit und fängt sich dort von Manchester United noch zwei Tore ein.

Tore

0:1 Mario Basler (6.)
1:1 Teddy Sheringham (90.+1)
2:1 Ole Gunnar Solskjær (90.+3)

 

2005: FC Liverpool – AC Mailand

Ein ähnliches Drama macht der AC Milan sechs Jahre später mit. 3:0 liegt die Mannschaft zur Halbzeit vorne. Nach 90 und 120 Minuten steht es 3:3, ehe der FC Liverpool im Elfmeterschießen gewinnt.

Tore

0:1 Paolo Maldini (1.)
0:2, 0:3 Hernán Crespo (39., 44.)
1:3 Steven Gerrard (54.)
2:3 Vladimír Šmicer (56.)
3:3 Xabi Alonso (60.)
Im Elfmeterschießen: Dietmar Hamann, Djibril Cissé, Vladimír Šmicer (Liverpool), Jon Dahl Tomasson, Kaká (Milan)

 

2013: Bayern München – Borussia Dortmund

Das erste rein deutsche Finale in der Geschichte der Champions League/des Landesmeistercups. Die Bayern erobern mit dem Endspielsieg über den BVB auch die nationale Vorherrschaft zurück, denn in den beiden Jahren zuvor sind Jürgen Klopps Dortmunder Meister jeweils geworden.

Tore

1:0 Mario Mandžukić (60.)
1:1 İlkay Gündoğan (68., Foulelfmeter)
2:1 Arjen Robben (89.)