Der Frankfurter Auschwitz-Prozess

Von Mai 1940 bis Januar 1945 waren circa 8.000 SS-Angehörige in Auschwitz tätig. Hunderte von ihnen waren Funktionsträger in der Lagerverwaltung und leisteten damit einen Beitrag zur Vernichtung der Juden. In den ersten Jahren nach der Befreiung wurden etwa 800 Auschwitz-Täter verurteilt, meist von polnischen Gerichten. Lediglich 45 Angeklagte kamen vor ein deutsches Gericht.

Die Vorgeschichte des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses kann exemplarisch für die juristische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland stehen. Die Massenmorde im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz blieben weitgehend unverfolgt – obwohl die Strafverfolgungsbehörden verpflichtet waren, die von Deutschen begangenen Verbrechen aufzuklären.

13 Jahre vergingen, bis Überlebende die Ermittlungen im Falle Auschwitz in Gang brachten. Auch das geschah nur schleppend: Der ehemalige Auschwitz-Häftling Adolf Rögner zeigte im Jahr 1958 Wilhelm Boger an, der damals der Lagergestapo angehörte. Boger landete in Untersuchungshaft.

Schwarzweiß-Foto Fritz Bauer

Fritz Bauer, Chef-Ankläger des Frankfurter Auschwitz-Prozesses

Ein Jahr später übergab der Holocaust-Überlebende Emil Wulkan Auschwitz-Dokumente aus dem Jahr 1942 an den Frankfurter Journalisten Thomas Gnielka. Sie enthielten Auflistungen der SS-Männer, die Häftlinge angeblich „auf der Flucht“ erschossen hatten, sowie Namen der getöteten Lagerinsassen. Gnielka verstand die Bedeutung dieser Schriftstücke sofort und leitete sie an den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer weiter. Um in der Sache tätig werden zu können, musste erst der Bundesgerichtshof die Zuständigkeit an das Landgericht Frankfurt am Main übertragen. Das geschah im April 1959.

Es folgte eine vierjährige, intensive Arbeit der Staatsanwälte Georg Friedrich Vogel, Joachim Kügler und des Untersuchungsrichters Heinz Düx. Gegen 1.200 Beschuldigte wurden Ermittlungen eingeleitet, über 1.000 Zeugen wurden im Rahmen des Vorverfahrens vernommen. Im April 1963 wurde beim Frankfurter Landgericht schließlich die Anklageschrift eingereicht. Am 20. Dezember 1963 begann dann die Hauptverhandlung wegen Mordes beziehungsweise Beihilfe zum Mord gegen 22 Angeklagte – die „Strafsache gegen Mulka u.a.“ wurde zum größten Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte.

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